Die Sammlung regionaler Kunst der Städtischen Galerie Bremen bildet seit Jahrzehnten ein zentrales Archiv der bildenden Kunst aus Bremen und der Region. Mit über 7.000 Kunstwerken ist sie nicht nur umfangreich, sondern auch inhaltlich breit aufgestellt. In ihr finden sich unterschiedliche Gattungen und Arbeitsweisen, die künstlerische Fragestellungen ihrer jeweiligen Entstehungszeit aufnehmen und weitertragen. Die Sammlung ist damit ein kulturelles Gedächtnis, das nicht im Depot verschwindet, sondern im öffentlichen Raum und in Institutionen wirksam bleibt.
Seit den Anfängen der Sammlungstätigkeit der Freien und Hansestadt Bremen in den 1920er Jahren ist das gesamte Stadtgebiet als Ausstellungsraum mitgedacht. Viele Exponate sind als Leihgaben in öffentlichen Institutionen präsent. Bürgerinnen und Bürger begegnen ihnen im Alltag, oft außerhalb klassischer Museumssituationen. Diese Sichtbarkeit ist Teil der Idee, Kunst als öffentliches Gut zu behandeln und Teilhabe zu ermöglichen, ohne dass dafür eine besondere Zugangsschwelle nötig ist.
Zum städtischen Kunstbesitz gehören neben den Leihgaben auch die Arbeiten des Programms zur Kunst im öffentlichen Raum, die Graphothek in der Stadtbibliothek Bremen sowie Werke, die in den Museen Bremens als Dauerleihgaben verwahrt werden. Zusammen ergeben sie ein Bild davon, welche Themen, Formen und Perspektiven in der Region über längere Zeiträume hinweg entwickelt wurden. Die Ausstellung in Berlin macht dieses Gefüge in komprimierter Form erfahrbar. Sie erinnert zugleich daran, dass Sammeln und Bewahren zeitgenössischer Kunst eine langfristige Aufgabe ist, die Aufmerksamkeit, Pflege und Schutz braucht.
Die Städtische Galerie Bremen ist seit 1985 das Zentrum für die Förderung und Präsentation aktueller bildender Kunst aus Bremen und der Region. Sie arbeitet an der Sichtbarkeit regionaler Positionen und setzt sie immer wieder in Beziehung zu internationalen Entwicklungen. Damit verbindet sie lokale Verankerung mit einer offenen Perspektive auf künstlerische Debatten, Materialien und Formsprachen, die über Bremen hinausreichen.
Als Institution ist die Städtische Galerie Teil des Senators für Kultur der Freien und Hansestadt Bremen. Sie verfügt über 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche und ist in den ehemaligen Gär und Lagerräumen einer Bierbrauerei in der Bremer Neustadt beheimatet. Dieser Ort prägt die Arbeit der Galerie auch räumlich. Er bietet einen klaren Rahmen für Ausstellungen, die sich mit aktueller Kunst und ihren gesellschaftlichen Bezügen auseinandersetzen.
Die Sammlung der Galerie wirkt parallel zum Ausstellungsbetrieb. Während in den Räumen der Neustadt laufend präsentiert wird, sind viele Werke der Sammlung im Stadtgebiet verteilt und als Leihgaben in öffentlichen Einrichtungen präsent. Die Galerie hält damit nicht nur einen Bestand vor, sondern begleitet ihn als Teil einer städtischen Infrastruktur. Dazu gehören Fragen nach Verantwortung gegenüber Kunstschaffenden, nach der dauerhaften Sicherung von Werken und nach den Bedingungen, unter denen eine Region ihre eigene Kunstgeschichte dokumentiert.
Die Ausstellung in der Landesvertretung Bremen in Berlin knüpft an diese Rolle an. Sie führt ausgewählte Arbeiten aus dem Bremer Kontext in einen anderen Rahmen und macht sichtbar, wie sich regionale Kunst im Gespräch mit einem überregionalen Publikum liest. Gleichzeitig lenkt sie den Blick auf die Institution, die diese Sammlung aufgebaut hat und kontinuierlich weiterentwickelt.
Ein besonderer Abschnitt der Sammlung ist in der Zeit zwischen 1981 und 2004 entstanden, im Rahmen des Programms „Soziale Künstlerförderung“. Die damalige Idee war ebenso sozial wie kulturpolitisch: Sozialressort, Arbeitsamt und Kulturressort der Stadt kooperierten und ermöglichten berechtigten professionellen Künstlerinnen und Künstlern einjährige Stipendien. Im Gegenzug erhielt die Stadt Kunstwerke, die heute einen Schatz darstellen. Sie spiegeln Entwicklungen der regionalen Kunstgeschichte und zeigen, wie sich Kunstschaffende zu Strömungen und Fragen ihrer Zeit positionierten.
Die Auswahl für die Berliner Präsentation knüpft genau an diesen Zeitraum an. Die dreizehn Arbeiten sind als Gesandte einer großen und heterogenen Sammlung zu verstehen. Sie können die Gesamtheit nicht abbilden, aber sie sind geeignet, zentrale Merkmale zu repräsentieren. Dazu gehört ein Schwerpunkt auf figurativer Malerei in den 1980er Jahren. Hinzu kommt eine bewusst knappe, aber klare Vielfalt der Gattungen, mit Malerei, Fotografie und Skulptur. Auffallend ist zudem die starke Präsenz von Werken weiblicher Kunstschaffender, die in der Auswahl sichtbar wird.
Gezeigt werden Arbeiten von Kirsten Brünjes, Tom Gefken, Thomas Hartmann, Bogdan Hoffmann, Eva Licht, Monika Ratering, Cordula Schmidt, Jürgen Schmiedekampf, Margret Storck, Boris Targanska (geb. Reihle), Martina Werner und Rainer Zinke. Die Werke stehen nebeneinander, ohne eine einheitliche Handschrift zu behaupten. Gerade daraus ergibt sich ein Bild von Vielfalt, die nicht als Schlagwort, sondern als konkrete künstlerische Praxis erfahrbar wird.
Inhaltlich verweisen die ausgestellten Arbeiten auf Gemeinschaft, Solidarität, Diversität, Gleichberechtigung, Offenheit und Innovativität in Bremens Kunst und Kulturszene. Sie zeigen, dass eine Sammlung mehr ist als ein Archiv. Sie ist ein Ort, an dem gesellschaftliche Erfahrungen, künstlerische Entscheidungen und historische Kontexte sichtbar bleiben. In Berlin wird diese Idee in konzentrierter Form greifbar und verbindet die aktuelle Bundesratspräsidentschaft mit einer künstlerischen Perspektive auf viele Stärken
Die Ausstellung ist noch zu sehen bist zum 10. Juni, Montag bis Donnerstag 9.00 - 16.00 Uhr, Freitag 9.00 - 13:00 Uhr in der Landesvertretung Bremen in Berlin, um vorherige Anmeldung wird unter veranstaltungen@lvhb.bremen.de gebeten.